Herzlich Willkommen!
27. Sep
Zugangsbeschränkungen, Studiengebühren und miese Studienbedingungen sind die Themen, die uns Studierende täglich beschäftigen. Die katastrophale Situation an den österreichischen Hochschulen ist aber nicht passiert, sondern hausgemacht- nach zehn Jahren schwarzer Hochschulpolitik.
Der Karlwatchblog dient vor allem um auf die Missstände erneut aufmerksam zu machen. Es geht hier nicht allein um die Bundesministerin Beatrix Karl, die als Namensgeberin dient, sondern um die Politik die dahinter steckt. Vor allem um die (Hochschul-)Bildungspoltitk der ÖVP. Wir wollen nicht mehr länger zusehen wie die Hochschulen kaputtgespart werden und der Weg freigemacht wird für die “Eliten”, während vielen jungen Menschen der Weg zu den Hochschulen verwehrt bleibt. Deswegen wollen wir auf dem Karlwatchblog die derzeitige Politik zu den Hochschulen dokumentieren, analysieren und kommentieren, aber auch Alternativen anbieten und uns einen besseren Weg für Bildung in Österreich (und weltweit) ausdenken.
Natürlich sind alle Interessierten eingeladen mitzudenken, mitzumachen, zu kommentieren oder sich auf eine andere Art und Weise einzubringen.
Auf das die österreichischen Hochschulen endlich ausfinanziert werden und der freie und offene Hochschulzugang kein Wunschdenken mehr ist!
STEP 2.0: jetzt wird rausgeprüft
01. Mrz
Anstatt wirkliche Konzepte für die Hochschulpolitik zu entwickeln, legt Karl heute bereits den dritten Entwurf innerhalb eines halben Jahres für die Änderung des Universitätsgesetzes vor. Und weiter geht’s im ÖVP Hochschulplan Punkt für Punkt nach unten: weniger Studis, lasst sie uns vom Studieren abhalten und zu guter letzt meine lieblings Saga: Mut zur Elite.
Im Gegensatz zu den vorherigen Entwürfen (mensch erinnere sich an §124c) wurde der Entwurf aber im Nationalrat beschlossen – weitere Hürden am Anfang des Studiums sollen Studierende nun ganz bewusst von den Hochschulen drängen.
Karl hat sich für ihre hochschulpolitischen Pläne Claudia Schmied (SPÖ) vom Spiegelministerium für Bildung mit ins Boot geholt. Was auf dem ersten Blick wie eine Komporomisslösung ausschaut, trägt auf dem zweiten Blick ganz klar die Handschrift von Beatrix Karl und der ÖVP. Offiziell ging’s der SPÖ um eine echte Orientierungsphase, inoffiziell konnte die SPÖ dem Druck der ÖVP- die schon seit Jahren auf die Einführung von Zugangsbeschränkungen pocht- nicht mehr länger Stand halten.
Studienanfänger_innen müssen sich nun ab dem Wintersemester 2011/ 2012 durch eine verpflichtende Studieneingangpshase kämpfen. Das fatale dabei ist, dass es nur noch 2 Prüfungsantritte für alle Prüfungen innerhalb der Studieneingangsphase geben soll. Alle die beim 2. Antritt scheitern, sind aus dem Studium raus und für die Studienrichtung an dieser Uni gesperrt- und das für immer! Nur wer auch wirklich alle Prüfungen der STEP schafft, darf weiter studieren.
Vor allem arbeitende Studierende, Studierende mit Betreuungspflichten und Beihilfenempfänger_innen werden von den zusätzlichen Knock- Out Prüfungen hart getroffen werden. Denn diese haben einerseits weniger Zeit sich für die Knock – Out Prüfungen vorzubereiten, anderseits werden Studierende vermehrt ihr Studium wechseln oder überhaupt abbrechen müssen. Das wird wiederum vor allem für Studienbeihilfenempfänger_innen drastische Folgen haben: Denn wer weniger als 30 ECTS schafft, wird die Studienbeihilfe verlieren, bei weniger als 16 ECTS innerhalb eines Jahres muss die Studienbeihilfe sogar zurück bezahlt werden! Diese Probleme, die sich ergeben werden, wurden von der Regierung bis jetzt still geschwiegen, eine zusätzliche finanzielle Gefahrenquelle für Studierende, die ganz bewusst in Kauf genommen wird!
Während die ÖVP fest entschlossen in eine Richtung geht- und der Beginn und Abschluss eines Studiums in Zukunft eine Frage des Kontostands der Eltern werden soll- ist die SPÖ weiterhin orientierungslos, ohne Konzepte und Rückgrat unterwegs.
3 Säulen sie zu knechten…
16. Feb
Auch wenn es zur Zeit ruhig geworden ist um die Hochschulpolitik in Österreich, heißt es noch lange nicht, dass es vorbei ist mit dem Wahn die österreichisches Universitäten zu einer Elitenmaschinerie umzuwandeln. Karls 3-Säulen-Modell ist nicht vom Tisch sondern wartet in den Schubladen der ÖVP auf ihre Umsetzung.
Das 3-Säulen-Modell setzt auf Studiengebühren, Ausbau der Studienförderung und “zinsbegünstigte Darlehen für Studierende”. Zumindest der Plan die Studienförderung auszubauen klingt gar nicht so schlecht. Aber der Teufel liegt im Detail. So will Karl einen Teil der Studienförderung durch Studiengebühren finanzieren. 500 Euro soll ein Semester nach den Wünschen der ÖVP kosten. Sie nehmen in Kauf, das gerade Menschen aus sozialschwächeren und bildungsfernen Schichten, von Studiengebühren abgeschreckt werden. Und 500 Euro mehr am Semesterstart ist ein harter Schlag für alle die Wissen, wieviele Kosten auf Studierende am Beginn des Semester zu kommen. 1000 Euro an Mehrkosten im Jahr sind nicht durch Ferialjobs oder unbezahlte Pflichtpraktika zu finanzieren. Zweidrittel der Studierenden müssen jetzt schon neben dem Studium arbeiten um sich ihr Leben überhaupt leisten zu können. 1000 Euro mehr verdienen im Jahr ist keine leichte Aufgabe und zwingt noch mehr Studierende ihr Studium hinten an zu stellen um einem meist schlechtbezahlten Job Platz zu machen. Dadurch verlängert sich auch die Studiendauer und das Risiko steigt, wichtige Beihilfen zu verlieren.
Deutlicher könnte Karl kaum sagen “Arme Studierende sind mir egal!”. Nach der Kürzung der Familienbeihilfe und dem Beibehalten einer chronisch unterfinanzierten Universitätslandschaft, braucht es schon Mumm weitere Anschläge auf die Studierenden zu planen. “Zinsbegünstige Darlehen” helfen da schon gar nicht. Ganz im Gegenteil: finanziell schwächer gestellte Studierende dürfen sich, wenn sie es geschafft haben in die Berufswelt einzusteigen, mit niedrigen Einstiegsgehältern erstmal Schulden beim Staat abbezahlen. Während jene, die es sich ohne ein Darlehen leisten konnten zu studieren, ihr Geld für andere Ausgaben verwenden können. Klarer Startnachteil für sozial Schwache. Und Karl nennt das ein gerechtes Modell!?
Solange es keine politische Kraft in der Regierung gibt, die sich schützend vor sozial Schwächere stellt und die ÖVP sich weiter im Hochschulbereich austoben kann, wird sich das nicht ändern. Doch die Regierung darf sich darauf einstellen, dass der Protest der Studierenden und der Kampf für faire und leistbare Bildungschancen weitergeht. Karl wäre ja nicht der_die erste Wissenschaftsminister_in die ihren Job verlassen müsste….
Das ÖVP Bildungskonzept
08. Jan
Stillstand wäre genauso viel gewesen
Das unterscheidet die 2 Großparteien in Sachen Bildungspolitik grundsätzlich voneinander: während die SPÖ der ÖVP bei ihren bildungspolitischen Plänen unterstützt (siehe die Schrittweise Einführung von flächendeckenden Zugangsbeschränkungen) und dann so tut als wäre das „nix“ gewesen, gibt’s von der ÖVP in Wahrheit absolut „nix neues“ zu hören, sie aber tun so als wäre das „viel“ gewesen. Das ÖVP Bildungspapier knüpft da an, wo die ÖVP seit Jahrzehnten in Sachen Schulsystem steht: Das Gymnasium soll erhalten bleiben, die Hauptschule soll zur „neuen Mittelschule“ werden. Den 14 Jährigen sollen „Bildungsempfehlungen“ von den Lehrer_innen ausgestellt werden. Liebe Jaqulines, liebe Kevins, pre- verabschiedet euch schon mal von der Matura.
Der Pröll will halt keinen Einheitsbrei. Ja eh- wir wissen’s: „Mut zur Elite“ und „Leistung muss sich lohnen“. Auch diese Aussagen finden sich wortwörtlich im Papier. Neu ist bloß die Umbenennung der Hauptschule in Mittelschule. Eliten sollen erhalten bleiben, dieser dummer Einheitsbrei (alias Einführung der Gesamtschule) würde die zumindest in Sachen Bildung schrittweise abbauen. Aber schon interessant, dass die ÖVP ihren Umbenennungsversuche als Reform verkauft, die Schmied sich darüber- sich also über quasi „nix“- sogar freut. Die SPÖ versucht sich ja immerhin schon seit einigen (vielen) Jahren am Projekt Gesamtschule. Erfolglos. Kleine Schritte, die eigentlich keine sind, können da schon mal zufrieden stellen- oder wie? Wenig neues zum Jahresstart.
Neue UG Novelle ermöglicht flächendeckende Zugangsbeschränkungen
08. Dez
Seit Montag Abend liegt der Entwurf für die neue UG Novelle nun auf dem Tisch und löste mit Windeseile Kritik und entsetzen aus: der Paragraph 124c soll per Antrag der Universitäten flächendeckende Zugangsbeschränkungen ermöglichen. Ministerin Karl betont zwar, dass der Paragraph „ nur Zugangsregelungen für die klassischen Studienrichtungen vorsieht“, das sind aber immerhin 60% der Studienanfänger_innen, die sich einer Aufnahmeprüfung stellen werden müssen. §124c ist mehr oder weniger eine Fortsetzung von §124b, mit dem Unterschied, dass nun ein Antrag auf Grund „erhöhter Nachfrage an Universitäten mit Kapazitätsengpässen“ gestellt werden kann. Die kaputt gesparten Universitäten und ihre reale sinkenden Budgets pro Studierende könnten sich wohl einheitlich mit einem Antrag im Gepäck an die Tür der Regierung klopfen. Beinahe alle Studienrichtungen mussten den fehlenden Willen der ÖVP den Hochschulsektor auszufinanzieren mit Qualitätsverlusten büßen. Mit dem Gesetzesentwurf steht die ÖVP wohl kurz vor ihrem Ziel aus den öffentlichen Universitäten Eliteunis zu machen, wo nur eine kleine Handvoll priviligierte Studierende studieren darf.
Umso überraschender ist wohl die Reaktion vom Rektor der Wirtschaftsuniversität Wien. Immerhin übte er seit Jahren Druck auf die Regierung aus, ihm endlich die Möglichkeit zu geben die WU zu beschränken. Badelt zeigt sich verärgert über die Novelle. Er sieht zu wenig Gestaltungsfreiheit bei der Einführung von Zugangsbeschränkungen für sich: denn immerhin darf er die Zahl der Studienanfänger_innen nur soweit beschränken bis die Zahl der Studierenden im Studium den Durchschnitt der letzten 5 Jahre nicht unterschritten wird. Würde also die ganze WU beschränkt werden, was so gut wie sicher ist, dann könnte Badelt die Zahl der Studienanfänger_innen um 3000 reduzieren! Auf der WU könnten dann nur noch rund 1700 Studis anfangen. Dass Badelt sich aussuchen kann, wie er die Studierenden ausselektiert (Art des Auswahlverfahrens), reicht ihn offensichtlich nicht. Die Zahl der Studienanfänger_innen würd er anscheinend am liebsten auf 0 kürzen, dass die Masterstudien, die ja ohnehin schon qualitativ beschränkt sind, nicht auch noch quantitativ beschränkt werden können, ist ihm ebenfalls ein Dorn im Auge.
In einem Land, wo wir nicht nur zu wenige Akademiker_innen haben, sondern vor allem auch zu wenige Studienanfänger_innen ist es purer Wahnsinn nur eine einzige Person vom Studium abzuhalten! Sollte die SPÖ dem Entwurf zustimmen ist das ein Verrat an den Studierenden. Die Regierung verspielt damit die Zukunft zigtausender Studierender.
Regierung ermöglicht Zugangsbeschränkungen
Gesetzesentwurf für Badelt ein Wahnsinn
Bericht aus dem Parlament
01. Dez
Das ist ganz schön schwer. Gestern hat Finanzminister Josef Pröll die Budgetrede im Parlament gehalten. Für die Besucher_innentribüne wird äußerste Ruhe vorgeschrieben. Schreien hätte ich können, Sachen um mich werfen, runter von der Tribüne, Tomaten oder ähnliches. Da ruhig zu bleiben ist ganz schön schwer. Eine grausame Stunde voller Lügen und Worte die einem den Kragen platzen lassen: die Budgetrede von vorne bis hinten, alle Sparmaßnahmen, Steuerreformen und für jede Maßnahme Selbstlob und eine Laura Rudas (und andere SPÖler_innen) die dem Finanzminister mit Beifall zustimmt. „Eigentum darf nicht bestraft werden“, „die österreichischen Banken haben die Krise nicht zu verantworten“, „wir alle müssen unseren Beitrag tragen um einen Weg aus der Krise zu finden“. Das alles für unsere Zukunft. Für die Zukunft Österreichs, für die Zukunft der Jugend, die nicht die Schulden des Staates tragen sollen. Wohin soll es dann gehen?
Eine Zukunft in der die Jugend dann private Schulden haben (ja genau, privat immer besser als Staat. Der Markt wird’s machen. Welcher Markt auch immer, ist ja alles Markt. Es gibt für alles einen Markt- Zitat Neoliberalismus Ende). Denn die Familienbeihilfe gibt’s nur noch bis 24. Vom Ausbau des Stipendiensystems ist nicht die Rede. Eine Zukunft, in der die Bildungsentscheidung der Jugend vom Bildungstitel der Eltern abhängt. Und eine Zukunft, wo nur noch eine Handvoll zu studieren beginnen kann. À propos Zukunft: über die Zukunft der Hochschulen hat mir der Pröll auch noch was mit auf den Weg gegeben: die sind nämlich gerettet, gesichert. Alles super. Zusätzliche 80 Millionen gibt’s. Die Studienbedingungen werden sich deutlich verbessern (auch wenn Rektor_innen von rund 300 Millionen ausgehen, die akut fehlen) und auch FH Plätze sollen ausgebaut werden (?!). Dies hat auch Ministerin Karl per Aussendung heute bestätigt: Die Hochschulen sollen die vollen Offensivmittel nicht gleich bekommen, sondern 20 Millionen für 2011 und 2012 jährlich. Für die außeruniversitären Forschungseinrichtungen wird die Basisfinanzierung gestrichen. Meine Frage an die Regierung ist also: was ist das für eine Zukunft?
Karl: Unis sollen volle Offensivmittel nicht gleich bekommen.
Das inszenierte Spektakel Hochschulgipfel
24. Nov
Am Montag, 22.11. war es also soweit. Nach langem Bemühen ließ sich die Regierung breittreten auch mit der ÖH-Bundesvertretung über den Budgetentwurf zu sprechen und lud gemeinsam mit Vertreter_innen der Rektor_innenkonferenz ins Bundeskanzleramt. Wir waren dort um über die drohende Kürzung der Familienbeihilfe zu sprechen, das haben wir vorab auch mehrmals nachdrücklich eingefordert. Dennoch saßen wir dann dort mit Faymann, Pröll, Schmied und Karl, ohne zuständigen Familienminister Mitterlehner, ohne Tagesordnung, ohne ordentliche Einladung.
Karl glänzte bereits in den ersten Minuten mit ihren zehn Standardsätzen, die immer wieder die selben sind, schön auswendig gelernt – nur Zugangsbeschränkungen und Studiengebühren können uns ins internationale Spitzenfeld bringen, die Hochschulen hätten nun eh mehr Geld bekommen, die ewig alte Leier eben. Dann, nachdem die Rektor_innen ausführlich zu hören bekamen, dass die Regierung nicht gewillt ist jetzt über das Thema, weshalb die Rektor_innen eigentlich gekommen waren, nämlich das Hochschulbudget, zu sprechen, sprachen wir die katastrophalen Auswirkungen der Familienbeihilfenkürzung an. Nicht nur das, Studierende sollen nicht nur die rechte sondern auch die linke Backe hinhalten, neben dieser Kürzung, wird auch die Subvention zur studentischen Selbstversicherung gestrichen, die Stipendien nicht über die Armutsgrenze angehoben und der Ausbau von Studierendenheimen komplett gestoppt.
Dass Politiker_innen oft nicht richtig zuhören, sind wir ja gewohnt, dass sie aber derartig arrogant und großkotzig agieren, wie es Pröll getan hat zeugt von seiner Ignoranz gegenüber jungen Menschen, gegenüber denen, die nicht alles vom Herrn Papa in den Hintern geschoben bekommen, wie wir es bei unserem Finanzminister durchaus vermuten könnten. Mit herablassendem Grinsen fragte er uns flapsig für wen es denn bitte nötig sei, wegen 2700 € einen Kredit aufzunehmen. Er teilte uns mit, er sei der Meinung, dass die Studierenden dann halt arbeiten gehen sollen. Dass 60% der Studierenden aber bereits während dem Studium arbeiten und zwar im Durchschnitt 20 Stunden pro Woche war ihm egal. Er meinte nur, die Regierung sei behutsam und vorsichtig vorgegangen, man müsse aber abseits von persönlichen Befindlichkeiten die drastische Situation sehen, in der wir uns befänden, sonst würde Österreich enden wie Irland. Abseits von persönlichen Befindlichkeiten??? – Ich glaube kaum, dass der Wegfall von durchschnittlich einem Drittel des Einkommens von 27.000 Studierenden eine persönliche Befindlichkeit ist.
Wir sollen froh sein, dass nur 18 % der Studierenden Studienbeihilfe bekommen, froh sein, weil es nur so wenig sozial Bedürftige gibt, meinte Pröll, immer schön das spitzbübisches Grinsen im Gesicht. Die ÖVP ist mit ihrem Elitendenken gerade am Vormarsch, dass ihnen die soziale Lage der Studierenden egal ist haben Pröll und Karl einmal mehr unter Beweis gestellt. Doch wenn wir nicht so enden wollen wie Irland, ist es in Wahrheit essentiell endlich in Bildung, Wissenschaft und Forschung zu investieren, denn dort liegt die Zukunft.
Karls Rücktritt oder Horror- Szenario
22. Nov
Studiengebühren nein Danke!
Der Bildungs- „Karlschlag“ geht erbarmungslos weiter. Den Unis fehlen ab 2013 jährlich rund 300 Millionen Euro. Beatrix Karl und Josef Pröll loben sich währenddessen für 80 Millionen Euro, die die Unis zusätzlich pro Jahr bekommen sollen, und tun so als ob sie und der öffentlichen Hand der zusätzliche Finanzbedarf der Unis nichts mehr angehen würde. Beatrix Karl meint, dass diese durch private Mittel lukriert werden müssen, einmal mehr fordert sie die Einführung von Studiengebühren.
Karl sollte sich schleunigst überlegen wer ihr Arbeitgeber ist- nämlich das Wissenschaftsministerium. Es ist Karls Pflicht ihre Agenden zu erledigen, dass die Hochschulfinanzierung da ganz oben auf der Liste steht, sollte sie nicht sonderlich überraschen. Dass die ÖVP mit der SPÖ die Regierung bildet, sollte ihr im Übrigen auch bekannt sein. Die SPÖ ist aus gutem Grunde gegen die Einführung von Studiengebühren. Die Einführung der Studiengebühren hat bereits 2001 rund 45.000 Studierende gezwungen ihr Studium abzubrechen. Die Wiedereinführung würde sozial schwächere abschrecken ein Studium zu beginnen oder wiederum zum Abbruch zwingen.
Gleichzeitig meint Karl, dass Studiengebühren nur gerecht sind. Die Rolle als große „Umverteilerin“ nimmt Karl wohl auch niemand ab. In einem Interview mit dem Kurier (http://kurier.at/nachrichten/2051788.php) vergleicht sie ihre Forderungen neuerdings sogar mit jenen von Karl Marx. Ja, der Name ist wohl ähnlich, ihre Politik aber sicherlich nicht. Der Forderung, dass Studierende ihren individuellen Ertrag aus Bildung bezahlen müssten, kann ich nur entgegnen, dass diese a) später Steuern zahlen werden (und bei einem progressiven Steuersystem, steigen diese je höher das zukünftige Einkommen sein wird) und b) profitiert auch die Gesellschaft von diesem „Bildungsertrag“. Karl will mehr Gerechtigkeit? Dann müssten auch die Unternehmer_innen für den zusätzlichen Ertrag bezahlen, der u.a. Dank dem Know How ihrer Mitarbeiter_innen generiert werden kann. Der Vergleich der Entwicklung der Einkommen aus Arbeit und Kapital zeigt ganz klar, dass vom Anstieg der Produktivität (u.a. durch bessere Technologie/ Know How) seit den 1980er Jahren primär die Gewinne profitierten.
Anstatt Studierende also zur Kasse zu bitten, sollte sich Karl endlich für die Ausfinanzierung der Universitäten durch die öffentliche Hand einsetzen. Dass sich Karl ihrer Verantwortung entziehen will ist eine bodenlose Frechheit, eine Ministerin die ihre Aufgaben als Chefin ihres Ressorts nicht wahrnimmt ist ein Horror- Szenario für Österreichs Hochschulsektor.
Karl: “nicht aufgeben, auch wenn es hart wird”
18. Nov
Immer wieder die selbe Leier: wir brauchen ein “treffsicheres Stipendiumsystem und Studierendenbeiträge”, “um den Drop- Out zu senken brauchen wir einen geregelten Zugang”. Beatrix Karl überrascht selten mit neuen Konzepten oder Ideen.
Aber was hat Karl zur geplanten Familienbeihilfen Kürzung zu sagen?
“Das einzige was ich raten kann ist, das Studium bloß nicht aufzugeben, auch wenn es hart wird,” meinte Karl in einem Interview zum Studikurier.
Schön, dass die Frau Ministerin über soziale Härtefälle Bescheid weiß. Auch schön, dass sie eingesteht, dass es so für viele Studierende nicht leicht sein wird. Höchst bedenklich, dass sie die Kürzung dennoch zulässt.
Mediengerüchten zu Folge soll das Sparpaket nocheinmal aufgeschnürt werden. Dabei könnten für längere Studien wie Medizin für den Familienbeihilfenbezug Ausnahmeregelungen umgesetzt werden. Möglicherweise könnte die Kürzung außerdem erst 2012 in Kraft treten. Gut für uns Studierende, dass wir noch ein weiteres Jahr haben um uns auf die “harten Zeiten” danach einstellen zu können. Ein kleiner Erfolg. Aber was ist danach? Die Bezugsdauer von 26 auf 24 herabzusetzen bedeutet immer noch, dass es vor allem Studierende aus sozial schwächerer Herkunft treffen wird. Nur noch eine priviligierte Oberschicht wird überhaupt die Möglichkeit haben ein Masterstudium ab zu schließen.
Damit müssen wir kämpferisch bleiben: “nicht aufgeben, auch wenn es hart wird.” Sparen auf Rücken der Studierenden?- nicht mit uns!
Der Karlschlag: wie aus weniger mehr werden soll …
17. Nov
…ist eine durchaus berechtigte Frage, wenn wir uns die österreichische Hochschulpolitik genauer ansehen. Wissen wird mehr wenn es geteilt wird. Das stimmt wohl so. Beatrix Karl hat in diesem Zusammenhang dennoch etwas missverstanden. Damit war nicht gemeint, dass sich die Unis sich die knappen Ressourcen besser aufteilen oder Forschungseinrichtungen sich die Basisfinanzierung besser „einteilen“ sollen. Nein, gemeint ist, dass Wissen mehr wird je mehr die Möglichkeit haben daran teil zu haben.
Aber was passiert? Unis werden kaputt gespart, Studienplätze sollen beschränkt werden und nun soll auch noch alles, was außerhalb der Hochschulen an wissenschaftlicher Arbeit passiert, im Keim erstickt werden. Denn die Basisförderung soll für 72 außeruniversitäre Institute 2011 halbiert und ab 2012 ganz gestrichen werden. Wissenschafter_innen sprechen von einem Karlschlag „Kahlschlag“ der das Aus für viele Institute bedeutet.
Jetzt will Karl rechtzeitig die „Notbremse“ ziehen. Und wie? Altes Rezept „aus weniger wird mehr“ soll wieder zur Anwendung kommen. Karl will die Institute nun in die Universitäten, deren finanzielle Lage bekannter Weise auch nicht sonderlich rosig ist, eingliedern. Dafür soll es auch finanzielle Anreize geboten werden. Deren Höhe wollte Karl aber noch nicht verraten. „Die Institute müssen selbst entscheiden, ob sie sich integrieren oder ohne Basissubvention weitermachen wollen“, so Karl. Nachsatz: „Man soll niemanden zu seinem Glück zwingen“, sagte Karl zur “Presse”.
Komisch, von Glück war in der österreichischen Hochschul- und Forschungslandschaft schon lange nicht mehr die Rede und “aus weniger wurde auch noch nicht mehr.”
10 Jahre ÖVP-Hochschulpolitik
17. Nov
Minus 1,3 Prozent soll das Budget für Wissenschaft und Forschung für die Jahre 2011 bis 2013 gekürzt werden, um das unter anderem durch die Finanzkrise entstandene Budgetloch im Staatshaushalt zu stopfen. Konsolidieren statt investieren ist das Gebot der Stunde. ÖVP Finanzminister Pröll will in allen Ressorts sparen, die Hochschulbildung wird da nicht ausgenommen. Dass das äußerst kurzfristig gedacht ist, beweisen nicht nur Expert_innenberichte, wie die OECD Studie „education at a glance“, die allesamt Österreich dringend zu erhöhten Investitionen in die Hochschulbildung raten, sondern auch der Vergleich mit anderen Ländern: In Österreich mangelt es nicht nur an Akademiker_innen sondern auch am Budget: mit 1,3% Hochschulausgaben des BIP liegt Österreich nicht nur unter dem OECD Durchschnitt sondern weit entfernt von den 2% des BIP, die schon seit Jahren gefordert werden. Anders als in Deutschland, wo zukünftig 7,2% mehr für die Unis ausgegeben werden, werden also zusätzliche Sparmaßnahmen angekündigt. Wer aber glaubt, dass dies eine einmalige und kurzfristig gedachte politische Fehlentscheidung ist, bemerkt bald, dass es sich um eine bloße Fortsetzung der politischen Entscheidungen der letzten Jahre handelt. Mehr >





